Ich habe Hunger.
Das ist simpel.
Ich bin der Meinung.
Nicht mehr so simpel, aber – na ja – kompliziert auch noch nicht.
Du bist nett.
Zwar selten, aber immerhin noch ziemlich simpel.
Wir wollen nächstes Wochenende auf einen Ausflug.
Jetzt wird’s kompliziert.
Wer ist dieses “wir”, diese Gruppe, die wir brauchen, um uns wohl zu fühlen? Wir Österreicher, wir Katholiken, wir Atheisten, wir FPÖler, wir Grünen, oder ……..?
Es gibt auch viel zu viele Gruppen, um einfach nur zu unterscheiden zwischen wir und die Anderen. Da gibt es den Alpenverein, den ÖAMTC, den TU Absolventenverein, die Gewerkschaft, etc……….
Bin ich also nur die Schnittmenge aller Vereine, in denen ich Mitglied bin?
Aber es ist einfach zu kompliziert für unser einfaches Menschengehirn, das da nur unterscheiden kann zwischen wir (ungefähr 30 Leute einer Sippe, die gemeinsam in einer Höhle leben) und die Anderen (alle anderen, vor denen man die Höhle verteidigen muss).
Und wegen dieser Simplexität unseres Gehirns gewinnt jetzt die FPÖ wieder an Terrain, weil sie eben den Wahlkampf reduziert auf wir und die anderen.
Da scheint es nur mehr eine ewige Wahrheit zu geben (an der meines Wissens noch nie jemand ernsthaft gezweifelt hat): Wir sind die Guten.
Natürlich weiß jeder Schüler, der beim Römer Brief aufgepasst hat, dass wir alle gesündigt haben. Aber das ist dann schon wieder zu kompliziert, befürchte ich, da müßte man aus sich herausgehen, da müßte man transzendieren, da müßte man an höhere Werte glauben, …….
Ich befürchte, unser Gehirn ist zu simpel, um in Frieden leben zu können.
Seufz
Meint
Christoph